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Wir sind zu Gast bei den Aufnahmen des Debutalbums der Band Zinoba. Gitarrist Marco Schmedtje und Schlagzeuger Stefan (Stoppel) Eggert beraten weitere Schritte. Auch sie sind mehr als unrasiert.
Schmedtje redet über Moll, Dur, Terzen und hat eine Idee für mehr Dynamik. Stoppel kann offensichtlich mit der Fachterminologie etwas anfangen, ebenfalls die Produzenten. Sie einigen sich
auf mehr Wärme in dem Lied. Im Grunde sind sie hochzufrieden mit dem bisherigen Stand. Im Studio darf nicht geraucht werden. Zigarettenpause im Flur: "Wir haben alles live eingespielt", bemerkt
Stoppel. Er wirkt sehr ruhig und besonnen. "Genau, einfach auf Drei - und los", wird er von Schmedtje energisch ergänzt, "dabei haben wir darauf geachtet, dass jeder Song in seinen
Grundelementen funktioniert." Nach einem dreiviertel Jahr Arbeit an diesem Album sind sie noch immer begeistert und begeisternd. Der Song mit dem vorläufigen Titel "Sex ∓ Drugs" ist als
B-Seite für die Maxi gedacht. Dennoch ist jeder davon überzeugt, dass es auch eine Single sein könnte. "Das weiss man nie so genau", bemerkt der leise Stoppel, "jedes Lied kann auch
eine Single werden, und so soll es sein."
Die Arbeit an diesem Album ist für die Band etwas ganz Besonderes. Beim Jammen haben alle zusammen die Lieder erfunden und genau wie im Proberaum aufgenommen. So konnte, ihrer Ansicht nach, in
der Musik die grösstmögliche Intensität entstehen. In dieser Band hat jeder eine lange und eigene musikalische Geschichte und weiss, dass künstlerische Freiheit ein kostbares Gut
ist. Für Zinoba vielleicht sogar das kostbarste. Auch, oder auch besonders, trägt das Label Four Music dazu bei. "Das ist die beste Plattenfirma, die man erwischen kann", freut sich
Schmedtje, "die haben eine eigene Philosophie, denken langfristig und investieren in uns. Wir konnten machen was wir wollten." Nur eine Vorgabe gab es von Zinoba selbst: tanzbar, rhythmisch und
groovy sollte die Musik werden. Und was vor fast einem Jahr so beschlossen wurde, ist heute umgesetztes Ergebnis.

Im Studio steht ein riesiges Mischpult aus den Siebziger Jahren. Aufgenommen wird mit altertümlichen Kult-Mikrophonen, die den ureigenen dynamischen Sound von Zinoba unterstreichen. "Es ist
nicht überproduziert und die Ecken und Kanten wurden nicht weggeschliffen. Jeder von uns erkennt sich selbst hier wieder", erklärt Schmedtje mit obercooler Attitüde und atmet den Rauch
einer weiteren Zigarette aus. Plewka bestätigt strahlend, "der Flow war da und der reisst auch noch nicht ab, so etwas wie das hier, das wollte ich schon immer mal machen." Selbst mit einem
Kater ist er ganz der charismatische Sympathieträger, der den Anschein macht, jeden mitreissen zu können. Aber keiner von Zinoba ist einfach nur Musiker. Es sind Leib-und-Seele
Tonkünstler aus Berufung. Ebenso die Gastmusiker auf der Platte, die auch die Tour begleiten. "Das sind echte Musiker, alte Hasen, mit denen zu spielen macht einfach Freude", meint Plewka
respektvoll.
Zwischen den vielen Gitarren, einem Schlagzeug und diversesten Instrumenten, die den Raum fast bis in die letzte Ecke ausfüllen, sind die Musiker schon fast zuhause. Zu der häuslichen
Atmosphäre hat die Band selbst beigetragen. Passend zum Mischpult ergänzte Plewka die Studioausstattung mit ausrangierten Playboy-Heften aus den Seventies, die nun stapelweise herumliegen.
Die etwas schmuddelig anmutenden Pin-Ups aus besagten Magazinen hängen überall im Studio, neben Songtexten und Momentaufnahmen auf Sofortbildern. Plewka, der sich auch mit für die
Atmosphäre verantwortlich fühlt, brachte noch diverses anderes Inventar aus seinem Privatbestand mit. Aber auch die Band, mit ihren vollen Bärten, sieht wie aus dieser Zeit
rübergebeamt aus. Diese haben sie sich eigens für das erste Video stehen lassen, eine Anweisung von Videoclip Guru René Eller (u.a. für Grönemeyer, Del Amitri), die nicht
missachtet werden darf. Gerüchten zufolge hat der Meisterregisseur schon mal ein Madonna Video abgelehnt und macht nur noch Clips von Musikern, die er wirklich mag.

Für den Spirit des Albums singen die Liebsten von Zinoba den Chor im Lied "Verschleppt ins All". Spirit ist überhaupt sehr wichtig. Ketelsen ist so etwas wie ein
Einmann-Räucherstäbchen-Kommando, der immer auf Energie, Dynamik und Kraft in seinem Studio achtet. Inzwischen hat sich ein scheinbar unentbehrliches Ritual entwickelt, bei dem zu jedem
Missklang der Weihrauch-Notstand ausgerufen wird. "Dr. Ketelsen, schnell!" ruft die Bande, und Ketelsen eilt zum Ausräuchern. Neben dem Running-Gag glauben aber trotzdem alle Beteiligten an die
Wirkung. "Der Sänger an sich ist ein spiritueller Mensch", erklärt Plewka.
Besonders für die Texte ist diese Spiritualität wichtig. Plewka holt sie aus seinem kreativen Kosmos. "Die Texte sind vom Herz in die Hand geschrieben", meint Plewka Sie bilden die
Brücke zur Musik, sind prägnant, lyrisch, sinnig und nachdenklich. Direkte Texte über präzise Beobachtungen und Eindrücke finden ebenso ihren Platz wie eigene Erfahrungen.
Seine Existenz scheint aus einer Ambivalenz aus Weltschmerz und der Liebe in ihm geprägt zu sein. Die Worte entstehen aus Handbüchern, die der freimütige Künstler fortwährend
führt. Diese sind gefüllt mit Satzgebilden, eigentlich ähnlich dem Prinzip von Tagebüchern. Aus den Fragmenten eines halben Buches entsteht dann der Text für ein einziges
Lied. Vielleicht erklärt dies das Abstrakte und Tiefgründige seiner Lieder. Illustrativ für diese Zweidimensionalität sind Zeilen aus dem Lied "Schein, Schien":
Leuchte mir von Fern, mein ausrangierter Stern Wieviel Freiheit hat´s gekostet frei zu sein Komm und schein, schein, schein ... Wovon sollen wir leben, wenn Liebe sprachlos wird.
Beim Musizieren fliegen Plewka die einst gesammelten Eindrücke und niedergeschriebenen Worte wieder zu: "Am liebsten würde ich am Ende eines Tages die Eindrücke aus meinem Herzen schneiden und sie in
Lieder giessen. Ich glaube, das ist meine Bestimmung." Die Aufnahmen sind für den heutigen Tag beendet. "Jan ist fähig, diese Lyrics zwischen Tür und Angel hervorzuholen,"
erzählt. Ketelsen nickt: "Das ist unglaublich, einmal hatten wir nur die Drums aufgenommen. Nur Augenblicke später hatte Jan die Melodie und auch schon den Text dazu erfunden. So wurde es
dann aufgenommen." Der Rohmix des fertigen Songs spielt im Hintergrund. "Vielen Dank, meine Herren," hält Faust sein Bier in die Höhe. Gitarrensalven krachen mit dem Anstoss der Flaschen in
den Raum 01 durch das Nebenuniversum ins nächtliche Hamburg.
 Zinoba: Marco Schmedtje, Jan "Lenny" Plewka, Stefan "Stoppel" Eggert

Text: Deniz Ünlü
Bilder: Jan Plewka (Bandfoto: Renè Eller)
Mehr zu Zinoba unter www.fourmusic.com

Das Album "Zinoba" gibt es ab März 2004 nicht nur im Internet oder in den einschlägigen Medienmärkten, sondern auch beim Plattenhändler eures Vertrauens.
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